Short Cuts
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Was für ein Film! Dessen Fülle und Ereignispracht ist kaum in Worte zu fassen, prall gefüllt mit menschlichen Schicksalen, von denen jedes einzelne auf äußerst geschickte Weise mit dem jeweils anderen verknüpft wird. Anhand dieser verschiedenen Charakter, Leben, Existenzen gelingt Regisseur Robert Altman ein grandioses Porträt einer verwilderten Gesellschaft, die vorrangig ihrem Trieb nach Spaß und purem, ungetrübten Wohlbefinden nachgeht - das ist mal verstörend, mal entwaffnend komisch, stets unheimlich bissig, satirisch und wortgewandt. Und verkörpert werden die vorgestellten, scheinbar per Zufallsprinzip ausgewählten Figuren von einem Starensemble erster Güte, das seinesgleichen sucht (dafür war Altman ja schon immer berühmt): Tom Waits, Lily Tomlin, Tim Robbins, Jack Lemmon, Andie MacDowell, Matthew Modine, Julianne Moore, Peter Gallagher, Anne Archer, Madeline Stowe, Jennifer Jason Leigh und viele mehr - populäre Namen schmücken jeden einzelnen von Altman erdachten Kopf. Da ist eine Hausfrau, die sich nebenbei Taschengeld als Betreiberin einer Telefonsex-Hotline verdient - während sie ihr Baby wickelt und anderen Alltagsaktivitäten nachgeht, flötet sie beiläufig die schmutzigsten erotischen Phantasien in den Hörer, worunter ihr Ehemann offensichtlich zu leiden hat. Da ist eine Malerin, die an dem krankhaften Eifersuchtsverhalten ihres Mannes zerbricht. Da ist ein zynischer, cholerischer Polizist, der seine Gattin behandelt wie das letzte Stück Dreck - zudem belügt und betrügt er sie, wo er nur kann. Da ist ein Chauffeur, der mit seiner kellnernden Frau von Glücksphrase zu Konfliktphrase - und wieder zurück - schreitet, immerzu, immer wieder. Er sucht Trost im gesteigerten Alkoholkonsum. Da ist eine feuchtfröhliche Anglergesellschaft, die im Wasser des auserkorenen Flusses die Leiche einer jungen, nackten Frau findet - die moralische Frage drängt sich auf, was mit der Leiche passieren soll. Melden sie den grausigen Fund oder lassen sie ihn einfach dort, wo er ist? Altman gelingt das Kunststück, diese 'Short Stories' (einige Kurzgeschichten des Schriftstellers Raymond Carver inspirierten ihn zu diesem bereits zum Kultfilm avancierten Meisterwerk), und das waren noch nicht einmal alle Geschichten und handelnden Personen, zu einem homogenen, durchschaubaren Ganzen zu verbinden, das mit einem gehörigen Knall am Schluss endet. Niederschmetternde und traurig stimmende Alltagsbeobachtungen, die ein 180-Minuten-Episodenfilm-Epos füllen, ohne jemals anstrengende, langatmige oder ermüdende Dimensionen anzunehmen. Das ist wahrlich ein Drahtseilakt, den der Regisseur mit Bravour meisterte - Nachahmer gab es genug, doch die Brillanz und inhaltliche Vielschichtigkeit von "Short Cuts" konnte bislang von keinem anderen Filmemacher erreicht werden (außer vielleicht von Paul Thomas Anderson und seinem starken Kinokaliber "Magnolia") - er wird noch viele Generationen in seinen Bann ziehen, faszinieren, irritieren, begeistern.
>>By Burnham (Tuesday, 31 May 2005 04:57)
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