Elephant
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Selten vermochte es ein Film, mir und Mitsehern so lang und intensiv Diskussionsstoff zu bereiten: Gus Van Sant rekonstruiert hier den Amoklauf in der Columbine High School, verzichtet dabei aber vollkommen auf die Psychologisierung der Täter samt ihrer Motive. So ist der Zuschauer dazu gezwungen, selbst Vermutungen anzustellen und darüber nachzudenken, was zwei Jugendliche wohl dazu verleiten könnte, ein solches Massaker anzurichten - ist der reichliche Konsum blutiger, gewaltverherrlichender Videospiele daran Schuld oder gab es tiefere Beweggründe für diese grauenvolle Tat? Die Antworten auf viele Fragen, die Van Sant mit seinem Film aufwirft, muss das Publikum selbst finden, somit ist "Elephant" eine kineastische Herausforderung. Bis zum schrecklichen Blutbad, das plötzlich und unerwartet am Ende geschieht, begnügt sich das Werk damit, endlos anmutende Kamerafahrten durch das sterile, kahle, unbehagliche Schulgebäude zu zeigen und verschiedene Schüler vorzustellen, die allesamt einem allgemein bekannten Klischeecharakter entsprechen - Außenseiter, arrogante, im Intellekt eingeschränkte High-Shool-Zicken, (frisch) verliebte Pärchen, erfolgs-und wissbegierige 'Streber' usw. So gut wie jede beinahe artifizielle, charakteristisch allseits bekannte Typisierung ist hier vorhanden. Diese Darstellung betrachte ich allerdings nicht negativ. Die Inszenierung ist sehr faszinierend und Kameraführung, Musik (verwendet wird u.a. Beethoven's "Moonlight Sonata") und Schauspieler (größtenteils Laiendarsteller) tragen ihr Übriges dazu bei. Auch interessant ist die unkonventionelle, unchronologische Erzählstruktur, die teilweise an Tarantino's Kultfilm "Pulp Fiction" erinnert - Situationen werden aus verschiedensten Blickwinkeln und Sichtweisen beleuchtet. Genaue Porträtierung und Beobachtung des schlichten, normalen Schulalltags mit anschließender, dramaturgisch hochwertiger Auseinandersetzung mit einem sehr aktuellen Thema - "Elephant" ist ein herausragendes, hochanspruchsvolles Meisterwerk von verstörender, erschütternder Intensität.
>>By Godard (Thursday, 3 Feb 2005 13:13)
Ich war genauso beeindruckt... Besonders passend fand ich auch Beethovens Moonlightsonate. Die Wolken gegen Anfang und Ende des Filmes waren auch irgendwie toll...
>>By JoAnn (Sunday, 6 Feb 2005 09:38)
In der Tat.
>>By Godard (Monday, 7 Feb 2005 16:47)
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