Control
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Hmm.. fand ich etwas anstrengend und langweilig. Junger Mann, lebenslustig, heiratet und bekommt ein Kind. Dann wird er zum Rockstar. Verliebt sich in eine Schönheit. Zwischen der Pflicht gegenüber seiner Frau und seinem Kind und der Liebe zu Annik (oder wie sie hiess) und dem ganzen Stress mit seiner Band und seiner Epilepsie wird er Lebensmüde und hängt sich mit 23 auf. Hatte irgendwie wenig positive Momente.
>>By mg (Sunday, 3 Feb 2008 14:30)
Confusion in her eyes that says it all. She's lost control. And she's clinging to the nearest passer by, She's lost control. And she gave away the secrets of her past, And said I've lost control again, And a voice that told her when and where to act, She said I've lost control again.
(She's Lost Control - Joy Division)
Mother I tried please believe me, I'm doing the best that I can. I'm ashamed of the things I've been put through, I'm ashamed of the person I am.
Isolation, isolation, isolation
(Isolation - Joy Division)
In zwei Tagen zweimal gesehen.
Großartig dieser Film, wirklich großartig.
Diese wundervollen, wahren, schmerzlich-schönen, tieftraurigen Bilder in diesem klaren Schwarzweiß. Diese Musik, diese Schauspieler, die allesamt so perfekt passen, allen voran natürlich Sam Riley als der Sänger Ian Curtis von der Band Joy Divison. Diese ganze tragische, verzweifelte Geschichte dieses Menschen. Diese einzigartige, nicht zu definierende magisch-melancholische Atmosphäre von Control. Und immer wieder diese Bilder, dieses tolle Licht, der Regen, der an der Scheibe der Telefonzelle herunterläuft. Ian Curtis Blicke, diese Verzweiflung und Angst. Und auch immer wieder der leise aufblitzende Humor, Blätter, die sich schwarz in einer Fensterscheibe spiegeln.
Schaut ihn euch an diesen Film. Sofort. Mehrmals.
>>By JoAnn (Wednesday, 6 Feb 2008 13:37)
Ich hab ihn gestern gesehen und bin auch begeistert. Sehr schöne Bilder und eine tolle, leicht bedrückende Stimmung. Ich mag das. :o)
>>By Mabim (Thursday, 14 Feb 2008 11:48)
Oh my... Nun gut, das ist ungefähr so als wäre man total unbeleckt was Bob Dylan betrifft und würde in den Biopicstreifen über ihn ins Kino geschickt werden. Das lässt einen sicher auch kälter als irgendeinem Mittfünfziger. Insofern bin ich wohl ziemlich voreingenommen... *auf mein verschlissenes Joy Divison Shirt schiel, was auch schon bessere Zeiten erlebt hat*.
Nichtsdestotrotz ist es ja schonmal eine Offenbarung hier als Einstiegsmonolog nicht nur zu lesen "War im Kino, toller/komischer Film. Warum schreibt hier niemand was drüber?", wo man sich zwangsläufig immer fragt ob man als einziger Mensch im Deutschunterricht mal was über These und Antithese gelernt hat.
Zuallererst ist es eine- wenn auch mit künstlerischer Freiheit- verfilmte Biographie. Also sollte man am Plot nicht zu viel aussetzen. Das ist ungefähr so als würde man sich bei Titanic drüber aufregen, dass am Ende (fast) alle wie ein Eiswürfel im Martiniglas durch den Ozean treiben ...Dass ein Ian Curties mit 23 Jahren nunmal sein Ende auf diese Weise fand, ist eine traurige Wahrheit. Supernovas verglühen nunmal schnell, und manchmal fragt man sich, was ein Kurt Cobain heute machen würde, wenn er es nicht für nötig befunden hätte, sich den Lauf einer mal zur Abwechslung geladenen Knarre in den Hals zu schieben- und ob das so unbedingt eine Bereicherung für die Menschheit gewesen wäre. Was es im hier zu diskutierenden Fall so tragisch macht, ist die Frage- so jedenfalls für mich, ob es einfach nur die Nebenwirkungen seiner Medikamente gegen seine Epilepsie waren, die Ian Curties zu diesem Schritt führten, oder ob sie seine innerliche Zerissenheit nur verstärkten, und es zu diesem Ende kam. Unnütz darüber nachzudenken, Fakten sind Fakten. Was bleibt sind bewegende Bilder eines Anton Corbijn, ein würdiges Manifest für einen Künstler, der nicht wenige tief berührt hat mit seiner Musik. Und ich denke einfach, dass man genau DAS tuen sollte, um den Film und Ian Curties zu verstehen... die Musik hören. Dann wären solche Diskussionen, ob dies ein "guter" Film ist, überflüssig.
Mir ist durchaus bewusst, dass es unterschiedliche Geschmäcker da draussen gibt, und ich verstehe Bob Dylan sicher auch nicht. Ohne Ian Curties auch nur ansatzweise verstanden zu haben, was den Zugang zu ihm über seine Musik voraussetzt, wird man auch den Film nicht zu schätzen wissen. So go and listen to the radio, listen to the radio... ach, ich vergaß- sowas läuft da heutzutage nicht mehr...
>>By Maren (Friday, 22 Feb 2008 21:54)
Hey, Joy Division-Fan, Ian Curtis wird ohne e geschrieben...
Achja, den Zugang zu Bob Dylans Musik habe ich noch nicht so recht gefunden, aber ich bin mir doch ziemlich sicher, dass mir "I'm not there" gefallen wird.
>>By JoAnn (Monday, 25 Feb 2008 01:24)
Control - der Film beschreibt das Leben der Eheleute Deborah und Ian Curtis, vom Kennenlernen der beiden als Teenager bis zum Freitod Ians. Verfilmt und dirigiert von Anton Corbijn nach dem Buch von Deborah Curtis.
Warum schreibt Deborah Curtis über so etwas Unspektakuläres wie eine Ehe, mal abgesehen vom Suizid ihres Mannes, ein Buch, und warum sieht sich einer der teuersten Porträtfotografen der Welt veranlaßt, das alles auch noch zu verfilmen?
Weil Ian der Sänger der Gruppe Warsaw war, die sich dann in Joy Division umtaufte. Joy Division ist Postpunk, musikalisch sehr einflußreich und für einige Fans eine Art Ersatzreligion. Das stößt auf nicht unerhebliches Interesse, wirft aber gleichzeitig bei diesen Interessierten Fragen auf, die gerne beantwortet sein wollen.
Der Film:
Die Schauspieler agieren ganz hervorragend, die Ästhetik der Filmaufnahmen ist ein Genuß, die Musik und die detailreiche Austattung erschließen die Atmoshpäre der Endsiebziger/Anfangachtziger. Die große Frage ist, trägt die Geschichte von Ian und Deborah den Film. Nein, tut sie nicht! Ian Curtis ist nur 23 Jahre alt geworden - für so ein kurzes Leben ist das ein verdammt langatmiger Film. Die Geschichte einer Ehe, die durch Auseinanderleben und Fremdgehen scheitert, ist nicht gerade das Neueste und Aufregenste. Die Sichtweise von Control ist naturgemäß äußerst beschränkt: Frau Curtis erzählt aus der Perspektive der betrogenen Ehefrau. Anton Corbijns Vergangenheit schlägt voll durch, war sein Vater doch ein calvinistischer Prediger. Der Film ist nicht nur s/w abgedreht, sondern auch die Charaktere sind stark schwarz-weiß. Deborah als Fast-Heilige, Ian als der Sünder. Und wie das bei so mancher Predigt läuft, wird es irgendwann nervig bis das Interesse einer Art mentalen lustlosen Schläfrigkeit weicht. Kein spannendes Sujet und das auch noch träge erzählt - nicht gut, gar nicht gut. Wer sich nicht für Joy Division interessiert steht vor der selben Frage, wie jemand, der ein dreistündiges Special über das Tafelsilber im Buckingham Palace sieht, ohne sich für Eßbesteck, angewandte Kunst oder die Royals zu interessieren: Was soll das???
Control ist kein Joy Division-Film. Wer etwas anderes erwartet, wird enttäuscht. Trotzdem werden einige der drängenden Fragen vieler Joy Division-Fans beantwortet: Warum hat sich Ian umgebracht, besonders als die Band kurz davor war, richtig durchzustarten. Was war er für ein Mensch abseits der Bühne. Wie hat er gelebt ... Wieweit das den Tatsachen entspricht, ist allerdings heikel zu beurteilen, denn das ist die Schwäche einer einseitigen Erzählung, Ian kann dazu eben nichts mehr sagen.
Ein Tip:
Wenn man auf den Geschmack gekommen ist, oder einfach mehr erfahren will, oder wer eine andere Sichtweise als die von Control haben möchte, der kann sich ein ganzes Wochenende DVDs zum Thema geben.
Also, zuerst Control in den Player, direkt hinterher 24 Hour Party People. Die Geschichte von Factory Records als eine Art Komödie, nach so einem Drama wie Control genau das Richtige. Sich Manchester, Factory, Tony Wilson und Joy Division, etc. auf diese Weise zu nähern, macht viel Freude. Auf der DVD von 24 Hour Party People ist sehr gutes Bonusmaterial, viele Interviews mit Leuten, die noch leben (wie lange die Jungs von den Happy Mondays das mit dem Atmen noch schaffen, weiß ich aber nicht; die Drogen haben da voll eingeschlagen) - Tony Wilson ist allerdings letztes Jahr verstorben und Martin Hannett (gespielt von "Gollum"-Andy Serkis) kann leider auch schon läger nicht mehr interviewt werden. Die DVD ist nur OmU, aufgepasst. Wer nach den Interviews so richtig Bock bekommen hat und noch mehr wissen will, der sollte unbedingt Shadowplayers seine Aufmerksamkeit schenken. Eine Dokumentation über Factory Records und Manchester Post Punk, Zeitraum 1978 bis 1981. Es werden alle wichtigen Leute über zwei Stunden lang ausgefragt, was da in Madchester ablief. Tony Wilson sagt schmatzend und Katze kraulend die interessanten Sachen über Platten-Cover aus Schleifpapier und Martin Hannett, Tonys Ex kommt zu Wort und erzählt unter anderem etwas über OMD und wie es kam, dass die Burschen ihre erste Scheibe auf Factory rausbrachten. Annik Honoré weiß viel und läßt uns teilhaben, Peter Saville verrät einiges zur Gestaltung der Cover und mehr und den schwierigen Umgang mit den Bands, Section 25 beschweren sich darüber, dass sie einmal fast ein Jahr lang warten mußten, eine Scheibe zu veröffentlichen, weil Peter Saville einfach nicht in die Pötte kam, ihr Cover zu gestalten, weiter finden die zwei Brüder Lawrence und Vincent Cassidy (Section 25 eben) klare Worte über Ian Curtis (selbstsüchtiges Arschloch), weil er sich umgebracht hat, Peter Hook von New Order berichtet von den letzten Minuten, in denen er Ian lebend gesehen hat, der unterernährte Vini Reilly (The Durutti Column) ist dabei, A Certain Ratio, Cabaret Voltaire, Buzzcocks, und ohne Ende weitere Leute. Auch die bereits erwähnten Leute sagen noch viel, viel mehr, ich hab das bloß grob angerissen - es ist ein wahres Fest. Aber, die DVD ist komplett in Englisch, keine Untertitel, und hat kein Fitzel Musik am Start. Doku pur. Wer folglich danach dann was Visuelles von Factory braucht, der sollte bei Umbrellas In The Sun, A Crepuscule / Factory Benelux DVD 1979 - 1987 reinschauen, 22 Musikvideos. Aber auch hier Vorsicht: nur der Ton ist remastert. Vom Filmmaterial hat man die Finger gelassen. Und was das zum großen Teil für grauenhafte Videos sind, unfaßbar: Filmprojekte aus Schüler AGs sind Gold dagegen. Aber wichtige Zeitzeugnisse. Wer so aber nicht die Factory-Session enden lassen will, der sollte sich auf jeden Fall The Work Of Director Anton Corbijn ansehen. Musikvideos sind zu sehen wie Atmosphere von Joy Division. Auch Metallica, Nirvana, Depeche Mode, U2, The Killers sind dabei und und und, sowie Interviews und Kommentare - auf die Art hat man mit Anton Corbijn angefangen und auch mit ihm aufgehört.
>>By Wackelkontakt (Sunday, 21 Sep 2008 15:05)
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